Wie können Kommunen ihre Bürgerinnen und Bürger über unterschiedliche Kanäle zuverlässig und aktuell informieren, ohne dieselben Inhalte mehrfach bearbeiten zu müssen? Mit dieser Frage beschäftigen sich Studierende der Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Wismar im Wintersemester 2026/2027. Im Modul „Unternehmensmodelle und -architekturen“ entwickeln sie gemeinsam mit der Gemeinde Ostseebad Insel Poel und dem InnovationPort Wismar ein Konzept für ein integriertes digitales Informations- und Contentmanagement.
Kommunale Informationen erreichen die Bevölkerung heute über verschiedene Wege. Dazu gehören das Amtsblatt, die kommunale Website, digitale Infopoints und soziale Medien. Perspektivisch soll auch eine kommunale App hinzukommen. Häufig erscheinen dieselben Informationen auf mehreren Kanälen, müssen dafür jedoch unterschiedlich aufbereitet und teilweise mehrfach erfasst werden. Das verursacht zusätzlichen Aufwand in der Verwaltung und erschwert die Aktualisierung der Inhalte.
Informationen einmal erfassen und mehrfach nutzen
Hier setzt das Semesterprojekt an. Die Studierenden untersuchen, wie sich kommunale Informationen nach dem Prinzip einer „Single Source of Truth“ (SSOT) zentral erfassen, verwalten und über verschiedene Kommunikationskanäle bereitstellen lassen. Eine Veranstaltung könnte beispielsweise einmal in einem zentralen System angelegt und anschließend für die Website, das Amtsblatt, digitale Infopoints, soziale Medien und eine kommunale App aufbereitet werden.
Dafür analysieren die Projektteams zunächst die bestehenden Informations- und Redaktionsprozesse. Sie untersuchen, wer Informationen erstellt, wie diese geprüft und veröffentlicht werden und welche IT-Systeme bereits zum Einsatz kommen. Anschließend entwickeln sie ein Konzept für die zukünftige Organisation der kommunalen Kommunikation.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Einbindung externer Akteure. Vereine, Ehrenamtliche, Veranstalter und Gewerbetreibende könnten ihre Informationen zukünftig selbst in ein zentrales Content-Management-System (CMS) eintragen. Die Studierenden erarbeiten dafür ein Rollen- und Rechtekonzept, das festlegt, wer Inhalte erstellen, bearbeiten, prüfen und veröffentlichen darf. Ziel ist es, den redaktionellen Aufwand der Verwaltung zu reduzieren und gleichzeitig die Qualität und Verlässlichkeit der Informationen sicherzustellen.
Unternehmensmodellierung für eine integrierte Informationsarchitektur
Methodisch nutzen die Studierenden die Unternehmensmodellierungsmethode 4EM (For Enterprise Modeling). Sie erfassen die bestehenden organisatorischen Strukturen, Prozesse, Verantwortlichkeiten und IT-Systeme in einem IST-Modell. Darauf aufbauend entwickeln sie ein SOLL-Modell, das die zukünftigen Informationsflüsse und technischen Schnittstellen beschreibt.
Im Mittelpunkt steht dabei das Zusammenspiel von Menschen, Prozessen und digitalen Systemen. Die Studierenden betrachten beispielsweise, wie eine Veranstaltungsmeldung vom Veranstalter über die redaktionelle Prüfung bis zur Veröffentlichung auf mehreren Kanälen gelangt. Aus dem Vergleich der bestehenden und zukünftigen Abläufe leiten sie konkrete Handlungsempfehlungen für die Gemeinde ab.
Praxispartner begleiten die studentische Projektarbeit
Das Projekt begleiten Florian Lechner, Bürgermeister der Gemeinde Ostseebad Insel Poel, und Doreen Heydenbluth-Peters vom InnovationPort Wismar. Beide Praxispartner unterstützen die Studierenden bei der Analyse der kommunalen Anforderungen und der Entwicklung möglicher Lösungsansätze.
Als betreuender Professor lege ich besonderen Wert darauf, dass die Studierenden die technischen Möglichkeiten immer im Zusammenhang mit den organisatorischen Abläufen betrachten. Ein zentrales Content-Management-System allein löst die bestehenden Herausforderungen nicht. Entscheidend ist, dass Verantwortlichkeiten, Freigabeprozesse und Informationsflüsse klar geregelt sind.
Am Ende des Semesters soll ein integriertes IST-/SOLL-Konzept vorliegen. Dieses soll der Gemeinde Ostseebad Insel Poel als fachliche und organisatorische Grundlage für die Weiterentwicklung ihrer digitalen Kommunikation und die mögliche Einführung eines zentralen Content-Management-Systems dienen.
